Hausarztzentrum Linsengericht
Hausarztzentrum Linsengericht

Fortsetzung:

...Er zeigt Videos und Fotos, die er gemacht hat. Kontrolliert wurde der Hilfskonvoi erst von den polnischen Grenzschützern und dann nochmal von den ukrainischen. Besonders voll sei es nicht gewesen, die Kontrollen dauerten aber lange. Im Niemandsland dazwischen: fast keine Beleuchtung, links und rechts alles voller parkender Lkw und wieder ein komisches Gefühl. Soldaten mit Kalaschnikows sagten, die Frankfurter Helfer sollen warten und nicht weiter in die Ukraine fahren.

 

Medizinische Hilfsmittel und Verbandsmaterial aus Frankfurt (Oder) für die Ukraine

 

Aber wie sind Christian Pierau, Jens Blasche-Gröbe, Sebastian Rohde, Andy Littmann und die beiden ukrainischen Studentinnen Inesa Posypai und Valentyna Barylo eigentlich zu dieser Hilfsfahrt gekommen? Eine der Studentinnen ist

Patientin bei Pierau. Er fragte sie, wo sie herkommt und sie brach sofort in Tränen aus, erzählt er. Danach war schnell eine Spendenaktion geboren.

 

Patienten und andere gaben Geld, Verbandsmaterial und Medikamente in der Praxis ab, auf einem Konto vom Lionsclub, in dem Christian Pierau aktiv ist, wurden weitere Spendengelder von Frankfurtern und Firmen gesammelt, beim Klinikum günstigeres Verbandsmaterial eingekauft, außerdem medizinische Hilfsmittel wie Spritzen

gekauft. Manche Spender brachten auch OP-Kittel, Masken und Diesel für die Fahrt vorbei. Schnell reichte der Neunsitzer von Jens Blasche-Gröbe nicht mehr für alle Spenden aus, es musste ein weiterer Transporter organisiert werden.

 

Spendensammlung geht weiter

Christian Pierau und der Lionsclub Frankfurt (Oder) sammeln weiter und wollen nochmals medizinische Spenden in die Ukraine fahren.

 

Lions Club Frankfurt (Oder) e.V.
IBAN: DE 22 1705 50503010210891

BIC: WELADED1LOS
Verwendungszweck:
„Ukraine-Spende Arztpraxis Christian Pierau“

 

 

Ein Dankeschön-Schreiben aus Svitlovodsk kam schon in Frankfurt (Oder) an

Am polnisch-ukrainischen Grenzübergang, erzählt Christian Pierau, wollten die Frankfurter eigentlich Flüchtende mitnehmen, „aber das war da so gut organisiert“. Gruppen von 300 bis 500 Menschen seien immer durchgelassen und mit dem Bus nach Przemy l gebracht worden, berichtet er. So blieb es also zunächst beim Warten auf ein paar junge Männer, die die medizinischen Spenden entgegennahmen.

 

Für den Hilfstrupp ging es nach der Übergabe der Spenden weiter nach Przemy l. Die Situation am dortigen Bahnhof beschreibt Christian Pierau als surreal. Ein schicker, sanierter Bahnhof und wenn man hineintritt, Hunderte, Tausende Menschen, die auf dem Boden sitze, Liegen mit Kindern, Helfer, die alles organisieren. Auch dort wollte niemand mit dem Frankfurter Hilfskonvoi mitfahren.

 

Fahrer, die Ukrainer mit in den Westen nehme wollen, müssen Papiere zeigen

 

Letztlich ging es für die Sechs zu einem leergeräumten Einkaufszentrum, erzählt Christian Pierau. Alles dort sei „improvisiert, aber mit Hand und Fuß“ gewesen. Fahrer, die Ukrainer Richtung Westen mitnehmen wollten, mussten sich mit ihren Papieren registrieren, um den oft allein mit Kind üchtenden Frauen ein bisschen Sicherheit zu geben. Die leeren Läden in dem Einkaufszentrum waren numerisch sortiert. Wer nach Kraków wollte, wartete zum Beispiel im Bereich 14.

 

Dort nahmen die Frankfurter zwei junge Frauen, ein älteres Ehepaar, eine ältere Frau und ein zehnmonatiges Baby mit. Zwischenstation war ein Hotel in Kraków – um 2.54 Uhr el Christian Pierau ins Bett. Die Familie entschied sich am nächsten Morgen, berichtet er, doch mit nach Frankfurt (Oder) zu kommen und von dort weiter nach Nürnberg zu fahren – denn in Kraków am Bahnhof hätten sie nur wieder drei Tage warten müssen.

 

„Zum Skifahren in die Alpen dauert es teilweise länger, als in die Ukraine zu fahren“, verdeutlicht Christian Pierau, wie dicht dieser Krieg ist. Die Fahrt war für ihn sehr bewegend, was in Polen an Hilfe geleistet wird, sei großartig. Er will wieder so einen Hilfskonvoi starten, auch wenn das vielleicht nur ein paar Menschen hilft. Während des Gesprächs bekommt er eine Nachricht aufs Handy: Die sechsköpge Familie wurde in Nürnberg von ihren Verwandten abgeholt und ist nun in Sicherheit.